Annoying

Bree.
Stinkende Gassen, stinkende Menschen, stinkende Gasthäuser und das alles gepaart mit stinkender Langeweile. Diese Stadt war eingerostet in ihrem Verhaltensmuster.

Elya knurrte genervt in ihren Krug, als sich neben ihrem Tisch wieder eine feierwütige Hobbitmeute breit machte. Wie kleine Kinder führten sie sich auf, sprachen Blödsinn, waren lauter als ein menschliches Ohr es je ertragen konnte. Sie waren alle gleichsam anstrengend.

Einen Herzschlag später stand sie auf, ihren Krug in den Händen, der wie immer gefüllt war mit Milch, ging ein paar Schritte vom Lärm fort.

Dort waren sie, beinahe in Reih und Glied, alle wie immer. Sie waren alle gleich. Sie waren alle abstoßend.

An jedem Pfeiler des Tänzelnden Ponys stand ein Mensch, eine Frau, ein Mann, ein Vollidiot in schwarzer Kleidung, die Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass jede halbwegs schlaue Stadtwache darauf aufmerksam werden sollte – und dies meist auch wurde. Einen hatte sie gefragt, vor langen Wochen, ob er Miete zahle für seinen Balken. Die bejahende Antwort darauf, der fehlplatzierte Zynismus, entlockte ihr nicht einmal ein müdes Schmunzeln.
Oh ja, alle waren sie gleich. Alle waren sie unnütz… und erschienen ihr dumm.

Ihr Blick flog weiter, eine stille Gestalt am großen Kamin direkt neben dem Eingang fing ihre Aufmerksamkeit für einen Augenblick. Schon wieder eine solche. Elya verdrehte das Auge genervt.
An den Kaminen sammelten sie sich, all jene trauernden Gestalten, schicksalsgeschlagene Menschen, oft Spitzohren, all jene, die denken, man beachte sie so mehr. Was sie anzogen waren nur solche wie sie.
In einem Gespräch jedoch war immer nur Platz für eine tragische Geschichte, so waren die Dialoge an den Kaminen immer wieder erheiternd. Und nervtötend. Abstoßend.
Immer wieder dieselbe Leier.

Elya wandte den Blick ab und sah zu einem der Tische neben sich. Noch immer stand sie frei im Raum und musterte jeden Anwesenden. Eine glänzende Rüstung neben einem formvollendeten Abendkleid und Manieren, die eher an einen Hof gehörten, als in ein schäbiges Pony.
Doch auch diese gleichten sich alle. Große Heldentaten, hier ein Ork, da ein Drache… was war schon dabei? Die feingekleideten Damen himmelten die selbsternannten Ritter an, gingen mit ihnen nach Hause, ins Stroh, wo auch immer solche Idioten hingingen um sich niederen Trieben hinzugeben.

Die Kleider der Damen waren immer wieder faszinierend. Man konnte davon ausgehen, dass es einen Diener wirklich lang beschäftigte, ein solches Kleid an einen weiblichen Körper anzupassen und zu schnüren – und doch brauchte es nur den Wink eines idiotischen Ritters, es wieder abzulegen. Beeindruckend allemal.
Und widerwärtig.

Wozu überhaupt dies kleidsames Gewand? Wussten denn all die feinen Herren nicht, wozu überall im Schankraum Stroh herum lag? Hielten denn alle das Pony für ein feines Gasthaus, das täglich gelüftet, geschrubbt und gesäubert wurde?
Diese Narren.

Der dumpfe Gestank nach Pfeifenkraut übertünchte den Geruch nach Bier, Schweiß und allem anderen, ekelhafterem, nicht annähernd.

Mit gerümpfter Nase zog sie ihr Schritt weiter in die hinteren Zimmer des Gasthauses, all diese, die für die Geheimnisvollen eine Art von vorreserviert waren. Gemütlich, spaßsuchend, lehnte sie sich an den Türrahmen des letzten Raumes, die Leute am Kamin im Zwischenflur nicht beachtend, und spähte offenkundig in das Zimmer hinein.

„Was willst du?“, fuhr man sie barsch an.
Zuhören„, erwiederte Elya nur lächelnd.
„Das ist privat und geht dich nichts an. Verschwinde!“

Tonlos lachend drehte sich Elya wieder um und ging zwei Schritte. Wieder solche. Diese, die sich für unauffällig hielten, wenn sie in das hinterste Zimmer des wohl dunkelsten und lautesten Gasthauses Brees gingen um sich dort bei dünner, meist geöffneter Tür über Verschwörungen und sonstigerlei Geheimnisse zu unterhalten. Sehr geschickt angestellt. Vollkommen lauschsicher.

Die kühle Nachtluft schlug ihr entgegen, kaum dass sie die Runde Tür nach draußen, hinter das Pony, hinter sich gelassen hatte. Wieder waren einige Halbstarke dabei, eine Stadtwache zu bedrängen, nur um kurz darauf zu weinen, wenn sie im Gefängnis landeten.

Idioten. Vermutlich hatten diese Spaß an den Ausbruchsdramen, die sich jedesmal abspielten. Viel wahrscheinlicher jedoch war es, um angeben zu können. Manchmal schien es, wer öfter hinter Gittern war als ein anderer, war der “Tollere“. Nunja, toll hätte Elya das auch genannt. Jedoch ein anderes ‚toll‘.

Es zog sie gen Süden, in die Gassen, einige bekannte Gesichter wieder einmal zu grüßen. Doch auch die Gassen waren immernoch das, was sie mal waren. Wieder streunten dunkelgekleidete, urdüstere Gestalten durch die Gassen auf der Suche nach dem letzten Rest Müll, den sie zu einem Abendessen verwerten konnten.

Tatsächlich war jeder Teil dieser Stadt wie der andere.
Es war dringend Zeit, dass sich etwas änderte.
Und Ideen, die Langeweile zu vertreiben, hatte Elya viele.

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Kategorien: Immerschatten | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Annoying

  1. Svenijya

    Titel: Annoying, oder: „Die Ode an die Stereotypen“

  2. Eine gut geschriebene Situationsbeschreibung über die fehlplazierten Gestalten im Pony… ich weiß, warum das der letzte Ort ist, an den ich inzwischen für RP hingehen würde…

  3. Svenijya

    Bleibt die Frage – wohin kann man sonst gehen, wenn man niemanden kennt? :-/

  4. Cuthar

    Ach, dazu ist das Pony gar nicht mal so schlecht. Wenn man einfach nur stark filtert, denn noch immer findet man auch durchaus interessante Personen da, wenn auch nur wenige.

    Aber gut und treffend geschrieben ists allemal.

  5. Eradanir

    Als ich das gelesen habe fiel mir wieder ein wie du einmal so krass über gewisse Elben am Kamin abgelästert hast xDD

    Ne aber auf jeden Fall super geschrieben, ich mag deinen Stil

  6. Svenijya

    Das war völlig zurecht, gestern Abend war genau dieselbe Stereotypenparty. Irgendwie ist Bree tot. >_>

  7. Also egal wo ich hinkomme, ich hab überall RP (Auenland, sogar in einer Siedlung in die ich letztens kam, hockten welche beim Biertrinken im Garten – nein, nicht Sprotten, Ered Luin, egal ob bei Elben oder Zwergen, in Bruchtal, Guruth, sogar in Aughaire…

    Lediglich um Bree mach ich einen großen Bogen rum. Ach ja… nicht zu vergessen das Heer der freien Völker oder „Leben“… also machmal weiß ich nicht wo ich zuerst hingehen soll für RP.

    Das nur zur Frage, wo man sonst hingehen soll. 😉

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